von Wangenheim Gustav

Ingo Clemens Gustav Adolf Freiherr von Wangenheim (* 18. Februar 1895 in Wiesbaden; † 5. August 1975 in Ost-Berlin) war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Dramaturg sowie Gründungsmitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD).

Leben / Lehrjahre bei Max Reinhardt und frühe Erfolge in Theater und Film

Er war der Sohn des Schauspielers Eduard von Winterstein (eigentlich Eduard Clemens Freiherr von Wangenheim) und der jüdischen Schauspielerin Minna Mengers. Nachdem seine Mutter sich das Leben genommen hatte, als Gustav von Wangenheim nur vier Jahre alt war, heiratete sein Vater die ebenfalls jüdische Schauspielerin Hedwig Pauly. Ab 1912 besuchte er die Schauspielschule Max Reinhardts. Es folgten Bühnenengagements in Wien, Darmstadt und Berlin. Bereits 1916 gab er sein Spielfilmdebüt. Seine bekannteste Rolle ist die des Hutter in Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm-Klassiker „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ aus dem Jahr 1922. 1917 schrieb er ein Stück über die Oktoberrevolution „Der Mann Fjodor“, für das er im Juli 1918 einen Preis des „Jungen Deutschland“ bekam. Sein Verleger wurde Paul Cassirer. Hier bekam er Kontakt mit Kulturpolitikern aus der USPD, Leo Kestenberg und Schwarzkopfarbeitern und geriet in den Novembertagen 1918 in den Reichstag und in den „Rat geistiger Arbeiter“. Am 11. November 1918 trat er in die USPD ein.

Neben seiner vielfältigen Berufsarbeit in Theater und Film, gründete er 1925 ein Arbeiter-Wander-Theater, die „Barbusse-Truppe“, gestützt auf den internationalen Bund der Kriegsopfer. Seine Dramatisierung des Romans „Feuer“ von Barbusse und die Szenen Herthys Lager von Andor Gabor führte er in Berlin und vielen anderen Städten Deutschlands auf. Dies und viele andere Stücke, Sketche, Kurzszenen, Chorwerke für das Arbeitertheater führte er unter seinem Pseudonym Hans Huss auf. Seine Massenpantomime gegen den Krieg wurde 1924 bei der Generalprobe im Stadion Berlin-Lichtenberg von Severing verboten. In der ganzen Zeit wurde er dauernd zwischen seinem Berufsleben und seiner politisch-künstlerischen Tätigkeit in der Arbeiterbewegung hin und her gerissen. Er filmte gleichzeitig bei der Ufa als festengagierter „Star“. Er spielte in Filmrollen von Friedrich Wilhelm Murnau, Fritz Lang, Ernst Lubitsch und vielen anderen.

Gründung der Truppe 1931

Zwischen 1928 und 1933 war er Gründer und Leiter der Truppe 1931, die aus der kommunistischen Zelle in der Künstlerkolonie Berlin entstand, mit Steffie Spira, Hans Meyer-Hanno und dessen Frau Irene als Pianistin, mit Arthur Koestler und Theodor Balk als hilfreichen Genossen, die die Texte bearbeiteten. Sie spielten seine Stücke Mausefalle (Angestelltenproblem, Monopolkapitalismus, Frage der Persönlichkeit), „Hier liegt der Hund begraben“ (National-Frage Deutschlands, Landsknechte des Monokapitals in China), und „Wer ist der Dümmste“? (Kampf gegen den Formalismus in der Kunst). Die Truppe 1931 tourte mit großem Erfolg durch Deutschland und die Schweiz. Am 4. Februar 1933 war ihre letzte Premiere in Berlin. Nach der Großrazzia in der Künstlerkolonie Berlin am 15. März 1933 löste sich die Gruppe auf.

Emigration in die Sowjetunion

1933 emigrierte der überzeugte Gegner des Nationalsozialismus von Wangenheim, der bereits 1922 KPD-Mitglied geworden war, über Paris in die Sowjetunion. Im Exil schrieb und drehte er unter anderem den Film „Kämpfer“, in dem es um den Reichstagsbrandprozess und Georgi Dimitroff ging. Der Film wurde kurz nach der Fertigstellung von Stalin verboten, zahllose Mitwirkende verhaftet und erschossen. Gleichzeitig leitete er gemeinsam mit Arthur Pieck die Theatergruppe „Kolonne Links“, schrieb Essays und Stücke u. a. über Maxim Gorki und arbeitete für den Moskauer Rundfunk, verschiedene Verlage und war Mitglied der von Johannes R. Becher geleiteten Gruppe des deutschen Schriftstellerverbandes, des Sowjetschriftstellerverbandes und Gewerkschaftsmitglied. Sein Stück „Die Friedensstörer“ wurde in Moskau, im Theater „Len-Sowjet“, im „Gorki- Theater“ in Rostow am Don und vielen Theatern der Sowjetunion aufgeführt.

Nachdem Gustav von Wangenheim von den Nationalsozialisten in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde, nahm er 1940 schließlich die sowjetische Staatsbürgerschaft an. Bei Kriegsausbruch begann er für die 7. Politische Abteilung der Roten Armee zu arbeiten. Er entwarf Flugblätter, besprach Platten für die Front, die über Lautsprecher ausgestrahlt wurden. 1941 wurde er für zwei Jahre nach Taschkent evakuiert. Im Juni 1943 konnte er nach Moskau zurückkehren und seine Arbeit fortsetzen. Bei der Gründung des NKFD gehörte Wangenheim zu den Gründungsmitgliedern aus der Gruppe der Emigranten. Wenig später wurde er Leiter eines Ressorts beim Sender „Freies Deutschland“ des NKFD in Moskau, bevor er schließlich 1945 als einer der ersten Emigranten nach Deutschland zurückkehren konnte.

Im Jahr 1936, während seiner Moskauer Jahre, denunzierte er im Rahmen der stalinschen Säuberungen angeblich Carola Neher und ihren Mann Anatol Becker als Trotzkisten. Beide wurden am 25. Juli des Jahres verhaftet. Anatol Becker wurde 1937 als „Trotzkist“ hingerichtet, Carola Neher zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Nach fünf Jahren Haft starb sie im Lager Sol-Ilezk bei Orenburg an Typhus. Von Wangenheims Sohn wies die, auf von Reinhard Müller publizierten Dokumenten basierende Position, sein Vater habe Carola Neher und ihren Mann als Trotzkisten denunziert, später als einseitig und unzutreffend zurück.

Intendant des Deutschen Theaters und spätes Wirken in der DDR

Nach seiner Rückkehr war von Wangenheim ab September 1945 für wenige Monate Intendant des von ihm wiedereröffneten Deutschen Theaters Berlin. Seine ersten Inszenierungen wie „Nathan der Weise“, „Hamlet“ und „Gerichtstag“ wurden in der Berliner Öffentlichkeit gefeiert. Von Wangenheim habe die große Tradition Max Reinhardts wieder aufgenommen. Parallel kämpften die Mitglieder des Ensembles und der Intendant um die Freilassung von Gustaf Gründgens aus dem Internierungslager in Jamlitz. Gründgens wurde vorgeworfen, mit den Nationalsozialisten kooperiert zu haben. Von Wangenheim, aber vor allem Ernst Busch und viele andere Künstler setzten sich für die politische Rehabilitierung Gründgens ein. Am 9. März 1946 kehrte Gründgens nach Berlin zurück und fuhr direkt zu von Wangenheim. Er wurde wieder Schauspieler am Deutschen Theater. Beide kannten sich aus der Hamburger Zeit der 1920er Jahre.

Am 29. Mai 1946 wurde zum ersten Mal ein sowjetisches Stück am Deutschen Theater gespielt, „Stürmischer Lebensabend“ von Leonid Rachmanow. Es wurde zu einer Niederlage für die sowjetische Militäradministration. Gustav von Wangenheim bat danach um die Entbindung von seinen Pflichten als Intendant. Es war eine „unfromme Lüge“. Er selbst hat zeit seines Lebens nie verstanden, warum er abgesetzt wurde und von seinem Lebensberuf als Schauspieler und Regisseur von einer deutschen Bühne ausgeschlossen wurde. Während von Wangenheims Auftritte in Filmen in den Nachkriegsjahren rar wurden, arbeitete er weiterhin als Regisseur und Drehbuchautor für die DEFA. Unter seiner Regie entstand der Film „Und wieder 48“, der sich mit der Märzrevolution von 1848 auseinandersetzt. Für sein künstlerisches Schaffen, besonders für sein Stück „Du bist der Richtige“, das er für die Eröffnung des neu gegründeten Theaters der Freundschaft schrieb, wurde er mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet.

Gustav von Wangenheim war mit der Schauspielkollegin und Schriftstellerin Inge von Wangenheim verheiratet und ist Vater des Schauspielers und Bühnenautors Friedel von Wangenheim und der Zwillinge Elisabeth (genannt „Li“) und Eleonora von Wangenheim (genannt „Lo“).

Filmografie / Als Schauspieler, wenn nicht anders angegeben:

  • 1916: Passionels Tagebuch
  • 1916: Das Leid der Liebe
  • 1916: Homunculus. 3. Teil: Die Liebestragödie des Homunculus
  • 1917: Die Erzkokette
  • 1918: Ferdinand Lassalle – Des Volkstribunen Glück und Ende
  • 1919: Die Welteroberer
  • 1919: Kitsch. Tragödie einer Intrigantin
  • 1920: Romeo und Julia im Schnee; Darsteller
  • 1920: Das Haus zum Mond
  • 1920: Der Tempel der Liebe
  • 1920: Der Schrecken im Hause Ardon
  • 1920: Kohlhiesels Töchter
  • 1921: Nosferatu, eine Symphonie des Grauens
  • 1922: Das Feuerschiff
  • 1922: Der Liebe Pilgerfahrt
  • 1923: Der steinerne Reiter
  • 1923: Schatten
  • 1929: Frau im Mond
  • 1931: Danton
  • 1935: Kämpfer – Regie, Drehbuch
  • 1948: Und wieder 48 – Regie, Drehbuch
  • 1950: Der Auftrag Höglers – Regie, Drehbuch
  • 1954: Gefährliche Fracht – Regie
  • 1955: Heimliche Ehen – Regie, Drehbuch
  • 1956: Lied über dem Tal – Regie

Schriften

  • Der Mann Fjodor. Berlin 1917.
  • Der Lausbub Franz
  • Chor der Arbeit. Vereinigung internationaler Verlagsanstalten, Berlin 1924.
  • Mausefalle. Berlin 1931
  • Wer ist der Dümmste? . Berlin 1931
  • Helden im Keller. Staatsverlag der nationalen Minderheiten in der USSR, Kiew 1935.
  • Die Friedensstörer. Moskau
  • Olympisches Ziel: Erzählung. Meshdunarodnaja kniga, Moskau 1940.
  • Fährmann wohin. Novelle. Moskau 1941.
  • Studentenkomödie: Mit der Zeit werden wir fertig. Neues Leben, Berlin 1958.
  • Im Kampf geschrieben: Drama, Prosa, Lyrik. Tribüne, Berlin 1962.
  • Da liegt der Hund begraben und andere Stücke: aus dem Repertoire der „Truppe 31“. Rowohlt, Reinbek 1974.
  • Fährmann, wohin? Erzählungen und Novellen. Tribüne, Berlin 1977 (Erstveröffentlichung: Meshdunarodnaja Kniga, Moskau 1941).

Stücke

  • Du bist der Richtige, Komödie, UA: 26. Mai 1950 Theater der Freundschaft, Berlin
  • Wir sind schon weiter, UA: 29. Juni 1951 Theater der Freundschaft, Berlin
  • Studentenkomödie, Regie: Peter Fischer UA: 4. Januar 1959 Volkstheater Rostock – Kleines Haus
Quelle: Wikipedia
MEDIEN
https://www.youtube.com/watch?v=20jDARGQbUc

„Frau im Mond“ ist ein 1928/29 nach der gleichnamigen Romanvorlage von Thea von Harbou gedrehter Science-Fiction-Stummfilm von Fritz Lang. Er ist einer der letzten deutschen Stummfilme.
„Der Mondexperte Professor Georg Manfeldt vermutet Wasser, Sauerstoff und große Goldvorkommen auf der erdabgewandten Seite des Mondes – eine Theorie, für die er in der Wissenschaft ignoriert und ausgelacht wird. Er lebt völlig verarmt auf dem Dachboden eines Hauses. Allein der Ingenieur und Flugwerftbesitzer Wolf Helius glaubt an Manfeldts Theorien. Gemeinsam mit dem Ingenieur Windegger (Gustav von Wangenheim) und dessen Verlobter, der Astronomiestudentin Friede Velten, arbeitet Helius an der Verwirklichung der ersten Mondexpedition. In den „Helius-Werften“ entsteht dafür ein imposantes Raketenschiff namens „Friede“, in dem Helius, Windegger, Manfeldt und Velten aufbrechen wollen.“
Quelle: Wikipedia

https://www.youtube.com/watch?v=9uNIajxOxdo

„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ mit Gustav von Wangenheim in der Hauptrolle als Thomas Hutter ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau in fünf Akten. Der Stummfilm ist eine – nicht autorisierte – Adaption von Bram Stokers Roman Dracula und erzählt die Geschichte des Grafen Orlok (Nosferatu), eines Vampirs aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen Ellen entbrennt und Schrecken über ihre Heimatstadt Wisborg bringt. Nosferatu gilt als einer der ersten Vertreter des Horrorfilms und übte mit seiner visuellen Gestaltung einen großen Einfluss auf das Genre aus. Zugleich gilt das Werk mit seiner dämonischen Hauptfigur und seiner traumartigen, gequälte Seelenzustände spiegelnden Inszenierung als eines der wichtigsten Werke des Kinos der Weimarer Republik. Der Film sollte nach einem verlorenen Urheberrechtsstreit 1925 vernichtet werden, überlebte aber in unzähligen Schnittversionen und ist heute in mehreren restaurierten Fassungen verfügbar.

„Kämpfer / Борцы“ ist ein Film, der 1935/1936 unter Beteiligung deutscher Filmschaffender im sowjetischen Exil entstand. Regie und Drehbuckmitarbeit:Gustav von Wangenheim

Handlung

Der Film handelt vom Widerstand der Arbeiter gegen den Faschismus, angeregt durch die Verhaftung des Kommunistenführers Georgi Dimitroff. Zwei Handlungsstränge werden im Film parallel gezeigt; einerseits der Prozess gegen Dimitroff, der beschuldigt wird, den Reichstagsbrand (1933) initiiert zu haben, und andererseits der Widerstand der Arbeiter gegen die Faschisten von SA und SS. Die Arbeiter werden von der SA beschuldigt, die Spörke-Fabrik in Brand gesetzt zu haben. An der Spitze der Widerstandsbewegung stehen Mutter Lemke und Anna, die Dimitroff zu ihrer Leitfigur im Kampf gegen den Faschismus gemacht haben …

Rezeption und Wirkung

Der „Film ist stark. So stark und so mächtig, daß ich als Ihr Kollege Ihnen Dank sagen muß“, schrieb Max Ophüls an Wangenheim. Besonders hebt er hervor, dass es ihm gelungen ist, statt bloßer Schwarz-Weiß-Malerei die Idee der Menschlichkeit darzustellen anstatt Heldenverehrung und Täterverhöhnung zu schüren.

Josef Stalin teilte diese Begeisterung für den Film nicht. Direkt im Anschluss an die Fertigstellung des Films wurde etwa die Hälfte aller Mitwirkenden ermordet oder in Lager verschleppt. Nach wenigen Wochen wurde die Aufführung des Films gestoppt. Sogar die Produktionsfirma, Meschrabpom, wurde aufgelöst.

Quelle: Wikipedia
VERMISCHTES / NETZWERK

Er war der Sohn des Schauspielers Eduard von Winterstein (eigentlich Eduard Clemens Freiherr von Wangenheim) und der jüdischen Schauspielerin Minna Mengers. Nachdem seine Mutter sich das Leben genommen hatte, als Gustav von Wangenheim nur vier Jahre alt war, heiratete sein Vater die ebenfalls jüdische Schauspielerin Hedwig Pauly.