Bell Marie

Marie Bell (* 23. Dezember 1900 als Marie-Jeanne Bellon in Bègles bei Bordeaux, Frankreich; † 14. August 1985 in Neuilly-sur-Seine) war eine französische Schauspielerin und Theaterdirektorin.

Theater

Marie Bell erhielt ihre künstlerische Ausbildung am Pariser Konservatorium. 1921 begann sie ihre Laufbahn als Theaterschauspielerin an der Comédie-Française. 1928 berief man sie dort zur Gesellschafterin. Bis 1946 blieb Bell an dieser bedeutendsten Theaterbühne Frankreichs aktiv. Zwischendurch wurde Marie Bell Mitte der 30er Jahre Direktorin des Théatre des Amabassadeurs. 1958 übernahm sie auch die Leitung des Pariser Théâtre du Gymnase, das später ihren Namen tragen sollte. Dort brachte die Künstlerin bevorzugt Boulevardstücke und Dramen von Félicien Marceau und Françoise Sagan zur Aufführung.

Marie Bell hat sich vor allem einen Namen als Tragödin gemacht. 1960 feierte sie einen späten Erfolg mit ihrer Darstellung der Madame Irma in Peter Brooks Inszenierung von Jean Genets „Le balcon“. Weitere Beachtung fanden ihre Mitwirkungen in Molières „Der eingebildete Kranke“ und „Der Menschenfeind“ aber auch ihre Darstellungen der Phädra und der Esther in antiken Tragödien. Marie Bell wirkte aber auch mehrfach in moderneren Stücken mit, etwa Jean Cocteaus „Renaud et Armide“ und Paul Claudels „Der seidene Schuh“.

Kino

Noch zu Stummfilmzeiten, seit den ausgehenden 20er Jahren, stand Marie Bell häufig und bis Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auch regelmäßig vor der Kamera. In den frühen Tonfilmjahren wirkte sie in mehreren französischen Versionen deutscher Filme mit. Bedeutung erlangte vor allem Bells Doppelrolle der Florence und der Irma in Jacques Feyders Fremdenlegion-Drama „Die letzte Etappe“ (1934) mit Françoise Rosay in der vielgelobten Nebenrolle, einem Meisterwerk des poetischen Realismus, und 1937 ihr Part der Christine, die in Julien Duviviers „Spiel der Erinnerung“ eine deprimierende Reise in ihre eigene Vergangenheit unternimmt.“

Nach Kriegsende wirkte Marie Bell kaum mehr im Kinofilm mit, in mehreren Produktionen der 60er Jahre hatte sie tragende Charakternebenrollen.

Diverses

Präsident Charles de Gaulle ernannte Marie Bell für ihre Verdienste als Aktivistin der Résistance während des Zweiten Weltkriegs zum „Ritter der Ehrenlegion“. 1969 gehörte sie während der Filmfestspiele in Cannes der Festivalsjury an.

Marie Bell, die mit dem Schauspieler Jean Chevrier (1915–1975) verheiratet gewesen war, wurde in Monaco beerdigt.

Filmografie

  • 1924: Die Kinder von Montmartre (Paris)
  • 1926: Abschiedswalzer (La valse de l’adieu)
  • 1928: Madame Récamier
  • 1929: Der Barbier von Sevilla (Figaro)
  • 1929: La nuit est à nous
  • 1930: Soker
  • 1930: L’homme qui assassina
  • 1931: La chance
  • 1932: La folle aventure
  • 1932: L’homme à l’hispano
  • 1933: Caprices de princesse
  • 1934: Die letzte Etappe (Le grand jeu)
  • 1934: Fédora
  • 1934: Poliche
  • 1935: Le roman d’un jeune homme pauvre
  • 1935: Sous la terreur
  • 1936: La garçonne
  • 1936: Quand minuit sonnera
  • 1936: La tentation
  • 1936: Blanchette
  • 1936: Les demi-vierges
  • 1936: Pantins d’amour
  • 1937: La glu
  • 1937: Spiel der Erinnerung (Un carnet de bal)
  • 1938: Ehrenlegion (Legion d’honneur)
  • 1938: Noix de coco
  • 1939: La charrette fantôme
  • 1940: Ceux du ciel
  • 1942: Vie privée
  • 1943: Oberst Chabert (Le colonel Chabert)
  • 1962: Der Leopard (Il Gattopardo)
  • 1963: Das leichte Geld der Liebe (La bonne soupe)
  • 1965: Sandra (Vaghe stelle dell’orsa)
  • 1966: Hotel Paradiso
  • 1968: Phèdre
  • 1973: Les volets clos
Quelle: Wikipedia
MEDIEN
https://www.youtube.com/watch?v=gZQIHs0-QLA

„Die letzte Etappe / Le grand jeu“, auch bekannt unter den Titeln „Karten des Schicksals“ und „Das große Spiel“ ist ein französischer Spielfilm aus dem Jahre 1934 von Jacques Feyder.

Die Wiener Zeitung vom 11. Oktober 1934 lobte vor allem das Spiel der Rosay: „Françoise Rosay; eine Schauspielerin, die durch jede Geste, jedes Wort ein Erlebnis vermittelt. So wird vom rein darstellerischen Gesichtspunkt die Nebenrolle zum überragenden Eindruck. Eigenartig ist ja, daß nahezu in jedem französischen Film die Episodisten die schauspielerische Note und Qualität bestimmen. Dagegen scheinen die Hauptdarsteller weniger aus eigenem, als aus den Geboten der Regie zu schöpfen. So auch hier. Trotzdem vermag Marie Bell ihre Doppelrolle überzeugend zu gestalten. (…) Überhaupt hat sich dieser Film, der in den Filmfestwochen preisgekrönt wurde, seine Prämie nicht des Manuskripts halber verdient – das keineswegs aus dem Rahmen dieser Art Filme fällt – sondern lediglich seiner rein stimmungsmäßigen Gestaltung wegen. Hier blieb der Regisseur nicht am Äußerlichen haften, er vermochte Empfindungen zu vermitteln, es gelang ihm, nicht nur den Blick und die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu fesseln, sondern auch sein Herz gefangen zu nehmen.“

Quelle: Wikipedia
VERMISCHTES / NETZWERK

1934 spielen Rosay Françoise und Marie Bell gemeinsam im Film „Die letzte Etappe / Le grand jeu“ von Jacques Feyder.