Wernicke Otto

Otto Karl Robert Wernicke (* 30. September 1893 in Osterode am Harz; † 7. November 1965 in München) war ein deutscher Schauspieler.

Leben

Der Sohn eines Brauereidirektors nahm nach einer Buchhändlerlehre Schauspielunterricht und spielte 1909 bis 1913 in Erfurt und 1913/14 in Eisenach. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg war er am Stadttheater in Bonn tätig, spielte von 1921 bis 1937 am Bayerischen Staatsschauspiel in München, von 1934 bis 1941 außerdem am „Deutschen Theater“ und zwischen 1941 bis 1944 unter Gustaf Gründgens am „Staatstheater“ in Berlin. Seit 1945 trat er wieder am Bayerischen Staatsschauspiel in München auf. Obgleich auch in tragischen Rollen erfolgreich, galt Wernicke als humoristischer, volksverbundener Schauspieler.

Besonders bekannt wurde er mit der Rolle des Kommissar Lohmann in Fritz Langs Meisterwerken „M“ (1931) und „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933). Er kreierte als erster einen pragmatisch-rationalen Kommissar, der sich vom intellektuell überlegenen Gentleman-Detektiv der Stummfilmzeit unterscheidet.

Mit einer Jüdin verheiratet, konnte Wernicke nur mit einer Sondergenehmigung der Reichskulturkammer auch während des Dritten Reiches arbeiten, erhielt aber 1939 die volle Mitgliedschaft in der Reichstheaterkammer. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Joseph Goebbels im August 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der Schauspieler auf, die er für seine Propagandafilme brauchte, was für Wernicke die Freistellung von einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront, bedeutete.

Nach dem Krieg arbeitete Wernicke weiterhin als Schauspieler in Theater und Film. Ein einziges Mal führte er (zusammen mit Max Dieckhout) 1950 auch Regie in dem Film „Wer fuhr den grauen Ford?“, in dem er ebenfalls den ermittelnden Kommissar spielt.

Wernicke verunglückte im April 1951 bei einem Bühnenunfall schwer. Infolge von Lähmungserscheinungen und einem Verlust des Sprachvermögens konnte er seinen Beruf nicht mehr voll ausüben. Erst ab 1955 trat er wieder in kleineren Filmrollen und auch in Hörspielen auf. Außerdem arbeitete er als Gastdozent an der Otto-Falckenberg-Schule in München, einer Theaterschule.

Seine Tochter Annemarie Wernicke wurde ebenfalls Schauspielerin.

Wernicke wurde auf dem Nordfriedhof in München begraben, die Grabstelle ist inzwischen aufgelöst.

Synchronisation

Als Synchronsprecher lieh er seine Stimme u. a. Lionel Barrymore (Seemannslos), Alan Hale senior (Die Abenteuer des Robin Hood), Raymond Massey (Hemmungslose Liebe; erste Synchronfassung), Claude Rains (Die große Leidenschaft) und Charles Vanel (Sprung in die Wolken).

Filmografie (Auswahl)

  • 1922: Mysterien eines Frisiersalons
  • 1924: Mädchen, die man nicht heiratet
  • 1925: Das Parfüm der Mrs. Worrington
  • 1931: M
  • 1931: Die nackte Wahrheit
  • 1931: Stürme der Leidenschaft
  • 1932: Peter Voß, der Millionendieb
  • 1932: Die verkaufte Braut
  • 1932: Nacht der Versuchung
  • 1932: Die Zwei vom Südexpreß
  • 1933: Die blonde Christl
  • 1933: S.A. Mann Brand
  • 1933: Das Testament des Dr. Mabuse
  • 1933: Der Tunnel
  • 1934: Achtung! Wer kennt diese Frau?
  • 1934: Der Flüchtling aus Chicago
  • 1934: Der Herr der Welt
  • 1934: Liebe dumme Mama
  • 1934: Peer Gynt
  • 1934: Zwischen Himmel und Erde
  • 1934: Die vertauschte Braut
  • 1935: Ein ganzer Kerl
  • 1935: Henker, Frauen und Soldaten
  • 1935: Knockout – Ein junges Mädchen, ein junger Mann
  • 1935: Der mutige Seefahrer
  • 1936: Arzt aus Leidenschaft
  • 1936: Die lustigen Weiber
  • 1936: Onkel Bräsig
  • 1936: Das Schloß in Flandern
  • 1936: Straßenmusik
  • 1937: Autobus S
  • 1937: Gleisdreieck
  • 1937: Das große Abenteuer
  • 1937: Manege
  • 1937: Starke Herzen
  • 1937: Stimme des Blutes
  • 1937: Wie der Hase läuft
  • 1937: Wie einst im Mai
  • 1937: Unternehmen Michael
  • 1938: Dreizehn Mann und eine Kanone
  • 1938: Eine Frau kommt in die Tropen
  • 1938: Geheimzeichen LB 17
  • 1937: Der Katzensteg
  • 1938: Liebesbriefe aus dem Engadin
  • 1938: Nordlicht
  • 1938: Rätsel um Beate
  • 1938: Silvesternacht am Alexanderplatz
  • 1939: D III 88
  • 1939: Gold in New Frisco
  • 1939: Johannisfeuer
  • 1939: Maria Ilona
  • 1939: Der Stammbaum des Dr. Pistorius
  • 1940: Was wird hier gespielt?
  • 1941: Ohm Krüger
  • 1941: Friedemann Bach
  • 1941: Heimkehr
  • 1941: Die Kellnerin Anna
  • 1941: Sein Sohn
  • 1942: Der Seniorchef
  • 1942: Der große König
  • 1943: Titanic
  • 1944: Das Leben ruft
  • 1944: Seinerzeit zu meiner Zeit
  • 1944: Der große Preis
  • 1945: Kamerad Hedwig
  • 1945: Kolberg
  • 1945: Der Fall Molander
  • 1947: Zwischen gestern und morgen
  • 1948: Lang ist der Weg
  • 1948: Der Herr vom andern Stern
  • 1949: Amico
  • 1949: Du bist nicht allein
  • 1950: Die fidele Tankstelle
  • 1950: Vom Teufel gejagt
  • 1950: Wer fuhr den grauen Ford? (auch Regie)
  • 1951: Schatten über Neapel
  • 1955: Himmel ohne Sterne
  • 1956: Die letzte Patrouille?
  • 1956: Der Hauptmann von Köpenick
  • 1956: Das Sonntagskind
  • 1956: Studentin Helene Willfüer
  • 1959: Die feuerrote Baronesse
  • 1959: Liebe auf krummen Beinen
  • 1959: Immer die Mädchen
Quelle: Wikipedia
MEDIEN
https://www.youtube.com/watch?v=_0C2Te59egQ

In „M“ von Fritz Lang aus dem Jahr 1931 kreierte Otto Wernicke als Kommissar Lohmann als erster einen pragmatisch-rationalen Kommissar, der sich vom intellektuell überlegenen Gentleman-Detektiv der Stummfilmzeit unterscheidet.

Der Kriminalfilm handelt von einem Kindermörder, der in einer Großstadt sein Unwesen treibt. Die Morde führen zu Angst bei Eltern und zu Misstrauen unter den Einwohnern. Den organisierten Kriminellen (Ringvereine) missfällt, dass die Polizei ihre Wachsamkeit erhöht hat. Darum jagt nicht nur die Polizei, sondern auch die Unterwelt den Mörder. Der Film enthält außer der Kriminalgeschichte auch komische Szenen sowie eine Diskussion zum Umgang mit Schwerverbrechern.

https://www.youtube.com/watch?v=91Mzz8neILs

„Das Testament des Dr. Mabuse“ ist ein deutscher Kriminalfilm von Fritz Lang, der 1932/1933 gedreht wurde. Das Drehbuch basiert auf einem Roman von Norbert Jacques, der 1932 auf Aufforderung Langs geschrieben, aber zunächst nicht veröffentlicht wurde. Der Film gilt als einer der großen Klassiker des Weltkinos zwischen den zwei Weltkriegen. Er entstand gleichzeitig in einer deutschen und französischen Fassung. Beide Versionen wurden von den Nationalsozialisten wegen der politisch brisanten Anspielungen umgehend verboten. Otto Wernicke als Kommissar Lohmann erneut als pragmatisch-rationalen Kommissar.

VERMISCHTES / NETZWERK

Von 1934 bis 1941 spielte er außerdem am „Deutschen Theater“ und zwischen 1941 bis 1944 unter Gustaf Gründgens am „Staatstheater in Berlin.