Lil Dagover, geb. Martha Seubert, (* 30. September 1887 in Madioen, Oost-Java, Niederländisch-Indien, heute Madiun, Ost-Java, Indonesien; † 23. Januar 1980 in Geiselgasteig, Bayern) war eine deutsche Bühnen- und Film-Schauspielerin. Sie zählte zu den führenden deutschen Stummfilmschauspielerinnen und wirkte zwischen 1916 und 1979 in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit.
Leben
Lil Dagover war Tochter eines deutschen Forstbeamten in niederländischen Diensten und wurde in der Stadt Madiun im heutigen Indonesien geboren, das zu dieser Zeit noch eine niederländische Kolonie war. Sie wurde in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz erzogen. Erst als Zehnjährige kam sie nach Deutschland, nachdem ihre Mutter verstorben war. Sie besuchte die Schule in Tübingen und wuchs bei Verwandten auf. Später ging sie nach Weimar. Ihr Geburtsname war Martha Seubert. Andere Vornamen wie Marie, Antonia, Siegelinde und Lilitt entsprangen ihrer Fantasie. 1913 heiratete sie den Schauspieler Fritz Daghofer und wandelte dessen Nachnamen zu ihrem Künstlernamen Dagover ab. 1914 wurde ihre Tochter Eva geboren. Durch ihren Ehemann kam sie in Kontakt mit dem Film. 1913 hatte sie ihren ersten Filmauftritt. Sieben Jahre später ließ sie sich von Daghofer scheiden.
Unter ihrem Künstlernamen trat sie 1919 in zwei Filmen Fritz Langs auf. Von Robert Wiene wurde sie für die weibliche Hauptrolle in „Das Cabinet des Dr. Caligari“ engagiert. Danach drehte sie mit Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und anderen in künstlerisch anspruchsvollen Stummfilmen, die ihr Image als „vornehme Dame“ prägten. 1926 heiratete sie den Produzenten Georg Witt. Da Lil Dagover neben der Filmkarriere in Berlin auch zu einer angesehenen Theaterschauspielerin avancierte und somit Spracherfahrung besaß, bedeutete der Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm für den Star der 1920er Jahre keinen Karriereknick, wie für viele andere Stummfilmstars. Sie spielte an Max Reinhardts Deutschem Theater oder auch bei den Salzburger Festspielen.
Auch während der Zeit des Nationalsozialismus blieb Dagover ein gefeierter UFA-Star, der in den Jahren 1933 bis 1944 mit insgesamt 23 Rollen zu den bekanntesten und beliebtesten Leinwanddarstellern des deutschen Films dieser Zeit gehörte. Obwohl die Nationalsozialisten sie hofierten, tat sie sich politisch nicht hervor. 1937 wurde ihr der Titel Staatsschauspielerin verliehen, und 1944 erhielt sie für ihren Einsatz bei der Truppenbetreuung und ihre Auftritte in Fronttheatern das Kriegsverdienstkreuz. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war sie in zahlreichen Filmen zu sehen und wurde mit Preisen bedacht, so 1954 mit dem Bundesfilmpreis für die beste weibliche Nebenrolle in Königliche Hoheit. 1962 erhielt sie das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film. Ein großer Erfolg war für Dagover 1961 auch der Edgar-Wallace-Film „Die seltsame Gräfin“, in dem sie die Titelrolle spielte. Lil Dagover trat bis Ende der 1970er Jahre in Filmen auf.
Lil Dagover-Witt starb 1980 in ihrem Haus auf dem Bavaria-Filmgelände in Grünwald. Sie und ihr Gatte Georg ruhen nebeneinander auf dem Waldfriedhof Grünwald bei München.
Filmografie
- 1913 – Schlangentanz – Regie: Louis Held
- 1916 – Die Retterin – Regie: Christa Christensen
- 1916 – Das Rätsel der Stahlkammer – Regie: Max Mack
- 1919 – Die Spinnen, 1. Der goldene See – Regie: Fritz Lang
- 1919 – Harakiri – Regie: Fritz Lang
- 1920 – Das Cabinet des Dr. Caligari – Regie: Robert Wiene
(mit Werner Krauß und Conrad Veidt) - 1920 – Der Richter von Zalamea – Regie: Ludwig Berger (mit Albert Steinrück und Max Schreck)
- 1921 – Der müde Tod – Regie: Fritz Lang
- 1922 – Luise Millerin – Regie: Carl Froelich (mit Paul Hartmann und Fritz Kortner)
- 1922 – Phantom – Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
- 1924 – Komödie des Herzens – Regie: Rochus Gliese
- 1925 – Zur Chronik von Grieshuus – Regie: Arthur von Gerlach
- 1925 – Tartüff – Regie: Friedrich Wilhelm Murnau (mit Werner Krauß und Emil Jannings)
- 1926 – Die Brüder Schellenberg – Regie: Karl Grune (mit Conrad Veidt und Liane Haid)
- 1928 – Der Graf von Monte Christo – Regie: Henri Fescourt (mit Jean Angelo)
- 1929 – Spielereien einer Kaiserin – Regie: Wladimir Strischewski
- 1930 – Der weiße Teufel – Regie: Alexander Wolkow
- 1931 – Der Kongreß tanzt – Regie: Erik Charell (mit Lilian Harvey und Willy Fritsch)
- 1931 – Elisabeth von Österreich – Regie: Adolf Trotz
- 1932 – „The Women of Monte Carlo“ – Regie: Michael Curtiz
- 1932 – Die Tänzerin von Sans Souci – Regie: Friedrich Zelnik (mit Otto Gebühr und Rosa Valetti)
- 1934 – Ich heirate meine Frau – Regie: Johannes Riemann (mit Käthe Haack, Paul Hörbiger und Theo Lingen)
- 1935 – Der Vogelhändler – Regie: E. W. Emo (mit Maria Andergast und Wolf Albach-Retty)
- 1935 – Lady Windermeres Fächer
- 1936 – Schlußakkord – Regie: Detlef Sierck (mit Willy Birgel und Maria Koppenhöfer)
- 1936 – Fridericus – Regie: Johannes Meyer (mit Otto Gebühr, Paul Klinger, Bernhard Minetti, Will Dohm und Paul Dahlke)
- 1936 – August der Starke – Regie: Paul Wegener
- 1937 – Kreutzersonate – Regie: Veit Harlan
- 1938 – „Es leuchten die Sterne“ – Regie: Hans H. Zerlett (mit Ernst Fritz Fürbringer, Paul Roschberg, Hilde Hildebrand, Rosita Serrano, La Jana, Rudi Godden, Carla Rust, Vera Bergmann, Anny Ondra, Max Schmeling, Paul Lincke)
- 1940 – Friedrich Schiller – Triumph eines Genies – Regie: Herbert Maisch (mit Horst Caspar, Hannelore Schroth und Heinrich George)
- 1940 – Bismarck – Regie: Wolfgang Liebeneiner (mit Paul Hartmann, Friedrich Kayßler und Käthe Haack)1948 – Die Söhne des Herrn Gaspary – Regie: Rolf Meye
- 1949 – Man spielt nicht mit der Liebe – Regie: Hans Deppe (mit Bruni Löbel, Paul Klinger und Georg Thomalla)
- 1950 – Es kommt ein Tag – Regie: Rudolf Jugert (mit Dieter Borsche, Maria Schell und Gustav Knuth)
- 1953 – Königliche Hoheit – Regie: Harald Braun (mit Ruth Leuwerik und Dieter Borsche)
- 1954 – Schloß Hubertus – Regie: Helmut Weiss (mit Friedrich Domin, Marianne Koch, Heinz Baumann und Paul Klinger)
- 1955 – Der Fischer vom Heiligensee – Regie: Hans H. König (mit Albert Lieven, Beppo Brem und Siegfried Lowitz)
- 1955 – Rosen im Herbst – Regie: Rudolf Jugert (mit Ruth Leuwerik, Bernhard Wicki und Carl Raddatz)
- 1955 – Die Barrings – Regie: Rolf Thiele (mit Dieter Borsche, Nadja Tiller, Heinz Hilpert und Olga Tschechowa)
- 1956 – Kronprinz Rudolfs letzte Liebe – Regie: Rudolf Jugert (mit Rudolf Prack, Christiane Hörbiger und Attila Hörbiger)
- 1957 – Unter Palmen am blauen Meer – Regie: Hans Deppe (mit Bibi Johns und Harald Juhnke)
- 1959 – Buddenbrooks – Regie: Alfred Weidenmann (mit Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Hanns Lothar und Werner Hinz)
- 1961 – Die seltsame Gräfin – Regie: Josef von Báky (mit Joachim Fuchsberger, Brigitte Grothum, Edith Hancke, Klaus Kinski und Marianne Hoppe)
- 1973 – Der Fußgänger – Regie: Maximilian Schell (mit Peggy Ashcroft, Elisabeth Bergner und Käthe Haack)
- 1974 – Karl May – Regie: Hans-Jürgen Syberberg (mit Helmut Käutner, Kristina Söderbaum, Käthe Gold, Attila Hörbiger, Mady Rahl und Rudolf Prack)
- 1975 – Der Richter und sein Henker – Regie: Maximilian Schell (mit Jon Voight, Jacqueline Bisset, Robert Shaw und Helmut Qualtinger)
- 1979 – Geschichten aus dem Wienerwald – Regie: Maximilian Schell (mit Helmut Qualtinger, Jane Tilden und André Heller)
Auszeichnungen
- 1937: Ernennung zur Staatsschauspielerin
- 1954: Filmband in Silber (Beste weibliche Nebenrolle) für Königliche Hoheit
- 1962: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film
- 1964: Bambi für Verdienste um den deutschen Film
- 1967: Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland


