Günther Karl Georg Lüders (* 5. März 1905 in Lübeck; † 1. März 1975 in Düsseldorf) war ein deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher und Regisseur.
Leben
Der Sohn des Reeders und Kaufmanns Carl Lüders und seiner Ehefrau Anna Dorothea, geb. Brüggen, begann nach dem Besuch des Realgymnasiums bis zur Primarreife von 1921 bis 1923 eine kaufmännische Lehre.
Nach Schauspielunterricht bei Karl Heidmann wurde er 1923 Mitglied der Wanderbühne des Städtebund-Theaters. In den 1920er Jahren spielte er in Lübeck, Dessau und Frankfurt am Main. Ab 1934 war er an Berliner Bühnen engagiert. Im selben Jahr erhielt er seine erste Filmrolle im Spionagefilm „Die Insel“. Wegen seiner kritischen Haltung gegenüber den Nazis wurde er 1935 für drei Wochen im KZ Esterwegen gefangengehalten. Dennoch spielte er in der Folgezeit bis 1945 weiterhin in verschiedenen Kinofilmen mit.
Nach dem Krieg fand er zunächst Beschäftigung an Bühnen in Flensburg, Lübeck und Hamburg. Von 1947 bis 1954 spielte er unter Gustaf Gründgens am Schauspielhaus Düsseldorf. Lüders war einer der gefragtesten Theatermimen seiner Zeit. Das Theater bot ihm denn auch mehr als der Film die Möglichkeit, die ernsten Facetten seiner Schauspielpersönlichkeit zu zeigen, so als Polonius, als Elwood P. Dowd, als „Hauptmann von Köpenick“ oder seiner letzten Rolle als „Professor Unrat“ in Peter Zadeks Bühnenfassung des Romans. Lüders erhielt nach dem Krieg aber auch weiterhin kleine Filmrollen, in denen er sich oft von seiner komischen Seite zeigte. Die beiden bekanntesten Filme mit Günther Lüders dürften „Drei Männer im Schnee“ nach dem Buch von Erich Kästner, in dem Lüders den Diener Johann Kesselhuth spielt, und „Das sündige Dorf“ 1954 (Rolle: Christian Süßbier) sein. Lüders war auch als Filmregisseur tätig. So führte er u. a. in „Wenn wir alle Engel“ wären (1956) sowie in „Ihr 106. Geburtstag“ (1958) Regie.
Bekannt wurde Lüders auch als Interpret der Gedichte von Joachim Ringelnatz, Christian Morgenstern oder Wilhelm Busch, die er auf erfolgreichen Rezitationsabenden sehr differenziert vorzutragen pflegte. Eine Auswahl davon brachte er auf Sprechplatten heraus. Aber auch ernstere Literatur, wie z. B. Thomas Manns „Buddenbrooks“, Tonio Kröger oder Goethes Reineke Fuchs versuchte Günter Lüders auf Vortragsabenden und Schallplatten sprechend zu vermitteln.
1960 bis 1963 war er Schauspieldirektor des Württembergischen Staatstheaters Stuttgart, wo er ab 1962 als Regisseur und Schauspieler engagiert war. Darüber hinaus gastierte er häufig an anderen Bühnen, unter anderem 1964 am Wiener Volkstheater in „König Nicolo“ von Frank Wedekind (Regie: Gustav Manker).
Lüders war in einer großen Anzahl von Hörspielen als Sprecher im Einsatz gewesen. Die ARD-Hörspieldatenbank verzeichnet allein für den Zeitraum ab 1946 weit über einhundert Produktionen, bei denen er vorwiegend in Hauptrollen zu hören war. In diesem Metier war er auf kein bestimmtes Genre festgelegt.
Zudem war er im Hörfunk auch noch in weiteren Funktionen tätig, z. B. sprach er in den 1960er Jahren Texte für Hans Rosenthals satirisches Monatsmagazin „Die Rückblende“, das im RIAS ausgestrahlt wurde. In Anerkennung seiner Leistungen als Rezitator wurde ihm 1974 der Deutsche Kleinkunstpreis verliehen.
Seine Grabstätte befindet sich auf dem Burgtorfriedhof in Lübeck.
Filmografie
- 1934: Die Insel
- 1934: Fürst Woronzeff
- 1934: Herz ist Trumpf
- 1934: Ein Kind, ein Hund, ein Vagabund
- 1935: Lärm um Weidemann
- 1936: Spiel an Bord
- 1937: Der Etappenhase
- 1937: Die Kreutzersonate
- 1937: Meine Frau, die Perle
- 1937: Alarm in Peking
- 1937: Autobus S.
- 1938: Das Ehesanatorium
- 1938: Musketier Meier III.
- 1938: Schwarzfahrt ins Glück
- 1938: Nanu, Sie kennen Korff noch nicht?
- 1939: Männer müssen so sein
- 1939: Schneider Wibbel
- 1939: In letzter Minute
- 1939: Hochzeitsreise zu dritt
- 1939: Mein Mann darf es nicht wissen
- 1940: Casanova heiratet
- 1940: Alles Schwindel
- 1940: Wunschkonzert
- 1941: Immer nur Du
- 1941: Am Abend auf der Heide
- 1941: Ehe man Ehemann wird
- 1941: Frau Luna
- 1942: Hab mich lieb!
- 1942: Weiße Wäsche
- 1942: Geheimakte W.B. 1
- 1943: Floh im Ohr
- 1943: Leichtes Blut
- 1943: Ein schöner Tag
- 1943: Neigungsehe
- 1944: Große Freiheit Nr. 7
- 1945: Das Mädchen Juanita
- 1951: Kommen Sie am Ersten
- 1952: Vater braucht eine Frau
- 1952: Der Tag vor der Hochzeit
- 1953: Ein Herz spielt falsch
- 1953: Muß man sich gleich scheiden lassen?
- 1953: Königliche Hoheit
- 1953: Musik bei Nacht
- 1953: Keine Angst vor großen Tieren
- 1954: Heideschulmeister Uwe Karsten
- 1954: … und ewig bleibt die Liebe
- 1954: Das sündige Dorf
- 1955: Drei Männer im Schnee
- 1955: Vatertag
- 1955: Der falsche Adam
- 1955: Krach um Jolanthe / Das fröhliche Dorf
- 1955: Rosen im Herbst
- 1955: Ciske – ein Kind braucht Liebe
- 1955: Der Frontgockel
- 1956: Lumpazivagabundus
- 1956: Das Sonntagskind
- 1956: Manöverball
- 1956: Wenn wir alle Engel wären (Regie)
- 1956: Rot ist die Liebe
- 1957: Robinson soll nicht sterben
- 1957: Vater, unser bestes Stück (Regie)
- 1957: Alle Wege führen heim
- 1957: Kein Auskommen mit dem Einkommen!
- 1958: Das Wirtshaus im Spessart
- 1958: Lilli – ein Mädchen aus der Großstadt
- 1958: Hoppla, jetzt kommt Eddie
- 1958: Ihr 106. Geburtstag (Regie)
- 1958: Ohne Mutter geht es nicht
- 1958: Auferstehung
- 1958: 13 kleine Esel und der Sonnenhof
- 1959: Liebe auf krummen Beinen
- 1959: Bobby Dodd greift ein
- 1959: Buddenbrooks
- 1959: Mein Freund Harvey
- 1960: Kriminaltango
- 1964: Tonio Kröger
- 1968: Ich bin ein Elefant, Madame
- 1969: Herzblatt oder Wie sag ich’s meiner Tochter?
- 1970: Dem Täter auf der Spur (TV-Serie, Folge Froschmänner)
- 1970: Die Heirat
- 1972: Schule der Frauen
- 1973: Dem Täter auf der Spur (TV-Serie, Folge Blinder Hass)
- 1975: Sonderdezernat K1 – Flucht


